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Keine Rente mit 67!

IG Metall übergibt Unterschriften an Max Straubinger

Beschäftigte lehnen Rente mit 67 ab

30.11.2010 I Eine Delegation der IG Metall hat am Mittwoch, den 27. November dem Abgeordneten des Deutschen Bundestages Max Straubinger von der CSU in seinem Wahlkreisbüro in Landau aufgesucht und ihm ein 4,6 Kilo schweres Paket mit Unterschriften gegen die Rente mit 67 Jahren überreicht.

Die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Landshut Birgit von Garrel übergab im Auftrag der Beschäftigten 11.668 Unterschriften aus den Betrieben mit der Botschaft: „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region erwarten, daß Sie gegen die Rente mit 67 Jahren stimmen, denn es gibt keine Arbeitsplätze für ältere Menschen und diejenigen, die nicht mehr können und früher in Rente gehen müssen, würde eine ungerechte Rentenkürzung nach mehr als 40 Versicherungsjahren treffen. Das ist keine sozial gerechte Politik!“

Begleitet wurde die Gewerkschafterin vom Betriebsratsvorsitzenden des BMW Werkes Dingolfing Stefan Schmid und Sandra Schinharl, stellvertretende Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei BMW. Betriebratsvorsitzender Schmid betonte: „Wenn im größten Produktionswerkvon BMW mit 18.500 Beschäftigten nur 38 Mitarbeiter älter als 60 Jahre sind, dann ist es unverantwortlich das Rentenalter auf 67 Jahre heraufzusetzen. Bei BMW laufen derzeit Projekte, um erstmal das 60. Lebensjahr in der Produktion zu erreichen.“

Die IG Metall hatte in den vergangenen Wochen ihre Unterschriftenaktion in den Betrieben durchgeführt und war überwältigt von der Beteiligung der Menschen. Nicht nur ältere Beschäftigte unterstützen die Forderung der Gewerkschaft, auch die Jüngsten sind im Betrieb gegen die Pläne der Bundesregierung wie Jugendvertreterin Sandra Schinharl bestätigt: „Auch Auszubildende und junge Fachkräfte haben spontan unterschrieben, denn sie wissen, daß es um ihre Übernahme und die Chance auf einen Arbeitsplatz geht. Diese wäre weg, wenn die Älteren länger im Betrieb arbeiten müssen.“

Die Gewerkschafter forderten Straubinger, der im Ausschuß für Arbeit und Soziales stellvertretender Vorsitzender ist, auf, sich an den Auftrag des Gesetzes zu halten. Dieses sieht vor, daß die Rente mit 67 gestoppt werden muss, sollte die Einführung arbeitsmarktpolitisch nicht zu verantworten sein. Genau hierbei sieht die Delegation der IG Metall die Fakten auf ihrer Seite und verweist den Bundestagsabgeordenten auf die aktuellen Zahlen der drastisch angestiegenen Arbeitslosigkeit bei den über 60-Jährigen. Diese hat sich in den letzten drei Jahren von 34.500 auf 145.000 erhöht. Auch die eigene Befragung der IG Metall stellt die schwierige Beschäftigungssituation Älterer in den Betrieben bloß. In einer Blitzumfrage wurde festgestellt, daß bei 30.470 Beschäftigten in den Betrieben der Region lediglich 253 über 60 Jahre alt sind. Das entspricht einer Quote von nur 0,8 Prozent.

Auf das von Straubinger angeführte Argument der um drei Jahre längeren Lebenserwartung, das dieser schon in einer Diskussion am 13. Oktober in Dingolfing mit den Gewerkschaftern angeführt hat, legten die Vertreter der IG Metall aktuelle Zahlen über das Ableben der BetriebsrentnerInnen im vergangenen Jahr vor. So beträgt das durchschnittliche Sterbealter bei MANN+HUMMEL in Marklkofen bei 13 Fällen 76,9 Jahre und bei BMW von 157 verstorbenen BMW-RentnerInnen sogar nur 74,5 Jahre. Angesichts dieser Fakten kann es nur ein Nein zur Rente mit 67 geben, forderten die Sprecher der gewerkschaftlichen Vertrauensleute Thomas Zitzelsberger von BMW und Helga Banek von MANN+HUMMEL.

Beide sagten, daß sich die Produktionsbedingungen nicht in Richtung „schöner Wohnen“ oder „langsamer für Ältere“ entwickeln werden, sondern daß der Wettbewerb um Produkte und die Renditeerwartung der Aktionäre und Gesellschafter auch in Zukunft die Beschäftigten zu Höchstleistungen herausfordern werden. Deshalb brauchen die Betriebe auch in Zukunft Ausstiegsmöglichkeiten für Ältere, wie sie der Tarifvertrag in der Metallbranche bietet. Hier forderten die Gewerkschafter Max Straubinger auf, den flexiblen Ausstieg für ältere Arbeitnehmer ohne Rentenabzug möglich zu machen: „Wer 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge bezahlt hat, der muss ohne Kürzung in Rente gehen können – nicht weil sie dürfen, sondern weil sie es verdient haben!“

Die IG Metall-Delegation verabschiedete sich vom Wahlkreisabgeordneten mit dem Hinweis, dass auch den Abgeordneten der anderen Parteien die Botschaft und Aufforderung der Beschäftigten gegen die Rente mit 67 mitgeteilt wird. Die IG Metall-Bevollmächtigte von Garrel kommentierte die augenblickliche Stimmung in den Betrieben: „Wer jetzt noch für die Rente mit 67 stimmt, der wird gnadenlos abgewählt.“

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